Die andere Dimension des Fliegens
Die andere Dimension des Fliegens

Neumünster: Im Juni empfing der Flugsportclub Neumünster e.V. (FSCN) ganz besondere Gäste. Gemeinsam mit dem Verein zur Förderung sehgeschädigter Kinder und Jugendlicher Schleswig-Holstein e.V veranstaltete der FSCN erstmals ein Segelfliegen für Sehgeschädigte aus ganz Schleswig-Holstein, die nach Neumünster angereist waren, um dort den Tag auf dem Flugplatz und in der Luft zu verbringen.

„Klar freue ich mich auf das Fliegen, aber ich bin auch etwas ängstlich, was da wohl auf mich zukommt", war zu hören, als die sehgeschädigten mit ihren Begleitern aus ganz Schleswig-Holstein am Sonntag auf das Gelände des Flugsportclub Neumünster e.V. (FSCN) geführt wurden. Was ihnen bevorstand, geschieht schließlich nicht alle Tage: 15 Sehgeschädigte und ihre sehenden Begleiter hatten am Wochenende die Möglichkeit, in Segelflugzeugen des FSCN mitzufliegen. Der Verein zur Förderung sehgeschädigter Kinder und Jugendlicher Schleswig-Holstein e.V ermöglicht mit dieser Aktion Sehgeschädigten etwas, was sonst unerreichbar für sie ist. Ein echter Familienausflug: Mit selbstgebackenem Kuchen, guter Laune und viel Zeit ging es am Sonntagnachmittag nach Neumünster. Roland Reugels, Segelflugreferent des FSCN, erklärte die Technik des Segelfliegens. Die Teilnehmer konnten die Segelflieger ertasten, sich sogar hineinsetzen und bekamen alles erklärt. „Die meisten, die das erste Mal Segelfliegen, sind sehr begeistert", meinte Josef Adrian, Schulleiter der staatlichen Schule für Sehgeschädigte in Schleswig, „Aber vieles, was wir Sehenden gar nicht so bemerken, erkennen Blinde viel besser, z.B. die Geschwindigkeit. Ich bin deshalb sehr gespannt auf ihre Eindrücke." In kleinen Grüppchen wurden die Sehgeschädigten zum Startplatz begleitet, wo zwei Doppelsitzer (eine Ka 7 und eine ASK 21) für sie bereit standen. Eine 300 PS starke Winde zog die Flugzeuge in die Luft. „Ein Gefühl wie in der Achterbahn", beschreibt später einer der Blinden den Antrieb, „der Magen hebt und senkt sich, aber ich hatte keine Angst." Doch mit der Thermik stand es am Sonntag nicht gerade gut - manche Rundflüge endeten schneller, als es den Mitfliegern lieb war. „Das würde ich gerne noch mal machen!", war oft zu hören. „Das Kribbeln im Bauch war spannend." Die sehenden Gäste genossen den Ausblick auf die Schwalestadt. Und die blinden Gäste? „Ich habe viel mehr auf die Luftgeräusche, die Geschwindigkeitsänderungen und die Richtungswechsel geachtet", meinte die 11-jährige Ninja. „Ein tolles Gefühl, in der Luft zu schweben. Aber das Fliegen ist doch eine andere Dimension." Mit ihren lebhaften Schilderungen haben sie die Sehenden daran erinnert, dass es jenseits des Sehsinns noch viel zu entdecken gibt. Eine echte Bereicherung für beide Seiten.